|

Neue hochwertige Hilfen brachte dieser Tage der Freundeskreis
Polozk e.V. mit einer kleinen Delegation in die belarussische
Partnerstadt.
Zwei Hörgeräteakustiker, der Häfler Andreas Wolter und sein
Berufskollege Franz Eisele aus Gmund am Tegernsee, waren zusammen
mit der Freundeskreis-Vorsitzenden Rotraut Binder und deren
Ehemann Jürgen nach Polozk gereist. Der Besuch sollte neue Akzente
in den partnerschaftlichen Beziehungen und der medizinischen
Versorgung der Polozker, vor allem der Kinder, setzen.
Großes Medieninteresse schlug den Besuchern entgegen, als sie im
Polozker Rathaus von Oberbürgermeister Wladimir Totschilo
empfangen wurden. Vertreter der örtlichen Fernseh- und
Rundfunksender waren gekommen, um zu berichten: Ein von der
Kinderpoliklinik dringend benötigtes Gerät zur Überprüfung der
Lungenfunktion, ein Spirometer, kann nun mit den überbrachten 3000
Euro aus Spendengeldern des Freundeskreises Polozk beschafft
werden – das erste und einzige in der Stadt. Die Diagnose für
Kinder mit Erkrankungen der Lungenwege ist damit wesentlich
erleichtert.
Franz Eisele, der schon seit über acht Jahren mit Hilfe des
Lions-Clubs Donauwörth in der belarussischen Stadt Molodetschno 50
schwerhörige Kinder und auch Erwachsene mit Hörgeräten versorgt,
berichtete von seinen dortigen Erfahrungen und den Bedingungen,
unter denen eine Hilfe aus Deutschland möglich wäre. Zahlreiche
Gespräche mit den Ärzten bewiesen deren Kompetenz und das lebhafte
Interesse an einer besseren Versorgung. Dass die äußeren
Rahmenbedingungen aber bisher alles andere als gut sind, davon
konnten sich die Experten selbst überzeugen. Die schwerhörigen
Kinder werden nicht in Polozk, sondern im 100 Kilometer entfernten
Witebsk untersucht und bestenfalls mit einem einzigen Hörgerät
versorgt. In Deutschland dagegen erhalten Kinder in jedem Fall
Hörgeräte für beide Ohren. Für die Geräte, die einen Standard wie
bei uns vor 15 Jahren haben, mussten die Eltern weit überhöhte
Preise zahlen. Außerdem fehlt es an den individuellen
Ohrpassstücken, die das Tragen des Hörgerätes angenehm machen und
ein störungsfreies Hören gewährleisten.
In der Polozker Poliklinik werden bisher die Gehörmessungen mit
einem veralteten Gerät (Audiometer) aus Friedrichshafen gemessen –
unter völlig unzureichenden Verhältnissen, in einem gewöhnlichen
Sprechzimmer mit einem Geräuschpegel, der keinesfalls exakte
Messungen zulässt.
Als erste Maßnahme werden sich in dieser Woche, während Franz
Eisele dort Schwerhörige mit Hörgeräten versorgt, Ärzte aus Polozk
in Molodetschno ein Bild davon machen, wie bald in ihrer Stadt mit
der Hilfe von Andreas Wolter, dem Freundeskreis Polozk und
weiteren Häfler Organisationen eine solche Versorgung aussehen
könnte. Außerdem dürfen drei schwerhörige Polozker Kinder mit
ihren Müttern dorthin kommen, um bessere Geräte oder Passstücke zu
erhalten. Ihre gemeinsame Fahrt finanziert die deutsche Abordnung.
Seine Freude und Dankbarkeit über die Initiative aus
Friedrichshafen äußerte Alexander Gudkow, der Chef der Poliklinik:
„In der Sowjetunion wurde die medizinische Versorgung von
Schwerhörigen vernachlässigt. Nun machen wir einen ersten
wichtigen Schritt.“
|