Meine Hörgeräte-Erfahrungen
Wolfgang Jürgensmeyer

 

Hier habe ich einige meiner Erkenntnisse als Hörgeräteträger aufgeschrieben. Vielleicht haben Sie etwas davon, sofern Sie oder ein Angehöriger betroffen sind.
 

1. Wer jahrelang langsam seine Hörqualität verliert, kann sie im Rahmen der biologischen Restfähigkeiten auch mit dem erfahrensten Akustiker und mit den besten Hörgeräten vom Markt nicht wieder innerhalb von Tagen regenerieren. Ein untrainiertes Ohr muss behutsam wieder an den Schall gewöhnt werden – dazu braucht es ggf. Wochen!
 
2. Die Ohren selbst hören nicht, sondern das Gehirn erzeugt aus den Signalen der mehr oder weniger gealterten/geschädigten Innenohren das akustische Abbild der Umgebung. Wenn es keine Übung hat, kann es mit den bestmöglich generierten Signalen immer noch wenig anfangen. Und deshalb braucht es auch ein Gerät für jedes Ohr, wenn auf beiden Ohren eine Höreinschränkung besteht – und beide Geräte müssen auch von morgens bis abends getragen werden.
(Ein neues Gebiss oder eine Gleitsichtbrille trägt man ja auch nicht nur
stundenweise, wenn Besuch kommt oder beim Essen.)
 
3. Am Anfang will man den Schall nur lauter hören, damit das Radio oder der Fernseher wieder auf normale Lautstärke eingestellt werden können und weil man meint, den Gesprächspartner damit wieder besser verstehen zu können.
 
4. Die fehlenden Hörfähigkeiten sind einem selbst nicht bewusst, weil man schon lange keine leisen, hohen Frequenzen mehr gehört hat (z.B. das Rauschen der Blätter oder das Zwitschern entfernter Vögel).
 

5. Wenn der Akustiker aus Zeitmangel oder wegen Eigensinn des Kunden die Hörgeräte mit wenig Fingerspitzengefühl sofort auf zusätzlich laute, hohe Frequenzen einstellt, passiert folgendes in Kombination: Ungewohnt laute Alltagsgeräusche nerven/quälen/schmerzen so stark, dass die Hörgeräte nur zeitweise getragen werden. Es handelt sich z.B. um klappende Türen, Besteck-Klappern am Geschirr, den WC-Druckspüler, das auslaufende Wasser eines Luftsprudler-Hahnes, hohe laute Kinderlaute, Reifengeräusche auf regennasser Fahrbahn, Windgeräusche am Auto und viele andere neue, sehr unangenehm laute Geräusche. Man hört auf einmal „alles“ – und legt die neuen Hörgeräte wegen Überlastung weg.
 
Kein sinnvolles Vorgehen, wie Sie gleich lesen werden !
 

6. Am Anfang werden die Hörgeräte zweckmäßig nur auf eine akzeptable Verstärkung und etwas mehr Höhenanteil eingestellt. An das dauernde Tragen muss man sich auch erst gewöhnen. Mit den „unangenehmen“ neuen Höhen muss das Gehirn erst noch üben. Dazu hat es keine Chance, wenn die Hörgeräte nur stundenweise oder selten getragen werden. Dann sind laute, hohe Geräusche immer unangenehm – und zwar auch nach mehr als einem Jahr noch, wie ich selbst erleben konnte. Der Kopf kann mangels Dauertraining dann immer noch nicht mit dem neuen Geräuschspektrum umgehen.
Das änderte sich bei mir erst sehr erfolgreich innerhalb von drei Wochen, als ich die Geräte tagsüber tatsächlich dauernd trug !
 

7. Die erste Entscheidung, die getroffen werden muss, ist die des Gerätetyps. Wegen falscher Eitelkeit nur die „kleinen Bohnen“ im Ohr zu tragen ist für den Umsatz des Akustikers gut, aber ein Hinter-dem-Ohr-Gerät ( HDO ) hat große physikalische Vorteile. Das sind z.B. ein offenerer bypass-Kanal im Ohrstück für die Umgebungsgeräusche, viel größere Batterie-Kapazitäten, die Möglichkeit von stärkerer Verstärkung, kaum Schwitzen im Ohr, von Hand umschaltbare Programme oder Lautstärkeeinstellung, Tausch- und Leihgeräte sind außerdem sofort einsatzfähig. Die größeren HDO-Geräte haben einen deutlich höheren Gebrauchswert - und sie kosten i.d.R. auch weniger als die kleinen „kosmetischen Bohnen“ im Ohr.
 

8. Die HDO-Geräte in Kombination mit sehr guten Ohrstücken spürt man nach wenigen Tagen überhaupt nicht mehr! Auf die Ohrstücke kommt es aber an, deshalb müssen die erst einmal angefertigt werden. Danach können im Wechsel verschiedene HDO-Hörgerätetypen zu Hause in gewohnter Umgebung ( ! ) ausprobiert werden.
 
9. Das „Alt“-aussehen ist für einen reifen Menschen kein Problem, es wirkt doch immer der Gesamteindruck, nicht die zwei kleinen fleischfarbenen Schläuche ims Ohr. Je nach Frisur sind die Hörgeräte hinter den Ohren überhaupt nicht zu sehen. Allerdings: Wer schlecht hört, macht auf sein Umfeld oft einen „alten“ Eindruck. (Da sieht man dann schon eher alt aus.)
 
10. Weil das Gehirn erst trainiert werden muss, ist es einsichtig, dass Schärfe und Lautstärke beim neuen - bzw. wieder-Hören - nur schrittweise gesteigert werden können. Und deshalb hat man auch mehrere Termine beim Akustiker. Dessen Arbeitszeit ist im Gerätepreis und ggf. Kassenzuschuss enthalten. Glauben sie seinem Rat, wenn er von Hörgeräteträgern eine gute Referenz erhält - er versteht vom Hören in der Regel mehr als Sie. Ohne gute Referenz sollten Sie allerdings gar nicht erst hingehen.
 
11. Rechnen Sie mit 4-8 Wochen Trainingszeit bis zur vorläufigen Endeinstellung Ihrer neuen Hörhilfe.
 
12. Hörgeräte sind ein eminent wichtiger Gebrauchsgegenstand mit längerem Trainingsbedarf und großem Gewinn an Lebensqualität (wie gesagt: wie ein neues Gebiss oder eine Gleitsichtbrille). Eine sorgfältige, gute Beratung kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Mit 20 Minuten-Terminen beim Akustiker gibt es keine Qualitätsberatung. Wenn Sie erst sachkundig und noch geistig fit sind, können Sie später recht genau sagen, was an ihren Einstellungen variiert werden soll, bzw. welche Merkmale einige Jahre später die Ersatzgeräte haben sollen. Dann geht es jeweils schneller und vielleicht auch etwas billiger, weil Ihre Hörgeschichte in der Kartei des Akustikers steckt. Er ist auf seinem Spezialgebiet Ihr Hausarzt, den man nicht mehr ohne zwingenden Grund wechselt. Ein Ohrenarzt betreut Sie ggf. medizinisch und bestätigt den Hilfsmittelbedarf „Hörhilfe“ - für die Hörgeräte-Technik ist er weder zuständig noch ausgebildet. Wenn er mir „seinen“ Akustiker empfiehlt, wechsle ich den Ohrenarzt wegen Befangenheit. Wenn er einen Akustiker nennt, den seine Patienten hoch loben, dann könnten Sie den auch kontaktieren. Glauben Sie lieber nur den Empfehlungen von Hörgeräteträgern, die die Qualität des Akustikers aus eigener Erfahrung beurteilen!
 
13. Ich wünsche Ihnen nicht meine Erfahrung: Ich war ja schon vor mindestens zehn Jahren fällig, warum hat mich niemand aufgeklärt? Mit 65 Jahren ist es fast schon zu spät, wenn Sie mit 55 bereits eine Hörhilfe gebraucht hätten. Sie haben so viel Schönes verpasst.
 
14. Vielleicht machen Sie oder Ihr Angehöriger aber vorab mal einen Wochenendversuch mit zwei sanft eingestellten HDO-Leihgeräten und einfachen Ohr-Einsätzen. Vermutlich staunen Sie dann schon und wollen mehr.
 
15. Zu den verblüffenden technischen Fähigkeiten der neuen Digitalgeräte muss ich nichts schreiben, dafür gibt’s sehr informative Prospekte bei allen Akustikern. Ich kann Ihnen aber verraten, dass Sie für weniger als 1500 Euro Zuzahlung bereits zwei sehr gute Geräte bekommen können und dass sie auch ohne Zuzahlung schon besser hören werden als vorher.
 
16. Der Akustiker meines Vertrauens ist Herr Wolter. Da ich sehr zufrieden mit Ihm und meinen Hörgeräten bin, wünsche ich das auch anderen Betroffenen und hoffe meine Zeilen helfen vielleicht dem ein oder anderen sich schneller für Hörgeräte zu entscheiden.
 

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Das Hörstudio Andreas Wolter • Meisterbetrieb für Hörgeräte-Akustik
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